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WildStar und die Ethik in MMOs

In einem offenen Brief an die Community schreibt sich Senior Operations Producer Craig „Cougar“ Turner ein wichtiges Anliegen von der Seele. Er stellt ganz deutlich klar, dass WildStar bezüglich des Vorwurfs, sie als Entwickler würden mit gezinkten Karten spielen, über jeden Zweifel erhaben sind. So wird man sich niemals einen persönlichen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen.
Veröffentlicht von Loui am 24.Apr, 2014 um 13:42 Uhr
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Offener Brief an die Community


In einem offenen Brief an die Community schreibt sich Senior Operations Producer Craig „Cougar“ Turner ein wichtiges Anliegen von der Seele. Er stellt ganz deutlich klar, dass WildStar bezüglich des Vorwurfs, sie als Entwickler würden mit gezinkten Karten spielen, über jeden Zweifel erhaben sind. So wird man sich niemals einen persönlichen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen.

Unser Community Manager Bronn war so lieb und hat das Statement von CRB_Cougar ins Deutsche übersetzt. Die Original-Nachricht findet ihr hier.

Craig "Cougar" Turner sagte:
Hallo alle zusammen,

ich möchte mir heute einen Moment Zeit nehmen, um ein Thema anzusprechen, das mir sehr am Herzen liegt: Ethik in einem MMO. Das hat natürlich einen Grund, aber hin und wieder schweife ich ein wenig ab, wenn es darum geht, Dinge zu erklären.

Ich werde immer wieder auf einen bestimmten Link verweisen, also nehmt euch doch bitte die Zeit, um euch mit dem t20-Zwischenfall vertraut zu machen. Weitere (eher „klatschhafte“) Informationen dazu findet ihr hier.

Jedermann weiß, dass Entwickler innerhalb ihres Spiels alle Macht der Welt haben. Schließlich könnten wir das Spiel gar nicht MACHEN (geschweige denn testen), wenn wir keine Cheat-Befehle hätten. In der Vergangenheit litten viele Spiele unter Gerüchten, Verdächtigungen und Vorwürfen bezüglich der unangemessenen Nutzung von Cheats auf den Live-Servern. In einigen Fällen entspricht dies der Wahrheit (der bereits erwähnte t20-Zwischenfall), in vielen anderen Fällen aber nicht. Oft werden derartige Probleme sofort erkannt und behoben, ohne, dass die Spieler etwas davon bemerken. Gelegentlich ist dies jedoch nicht der Fall. Allerdings sind die Probleme nur selten so offensichtlich wie im Fall des t20-Zwischenfalls.

Für alle, die nicht wissen, was ich bei Carbine mache: Ich bin für den erfolgreichen Betrieb von WildStar verantwortlich. Alle Abteilungen, die dabei eine wesentliche Rolle spielen, sind mir entweder direkt unterstellt oder arbeiten extrem eng mit mir zusammen. Aufgrund meiner Position nehme ich Cheats und Berichte über mögliche Cheats also sehr ernst. Dies wird durch meine rechtschaffen neutrale Gesinnung verstärkt. (Habe ich jetzt verraten, wie alt ich bin und wo meine Wurzeln zu finden sind?)

Ich möchte, dass WildStar bezüglich des Vorwurfs, wir als Entwickler würden mit gezinkten Karten spielen, über jeden Zweifel erhaben ist. Ich möchte klarstellen, dass die Spieler nie Angst haben müssen, ein Entwickler dieses Unternehmens könnte seine Macht missbrauchen, um sich im Spiel einen persönlichen Vorteil zu verschaffen. Ich möchte, dass WildStar ein faires Spielfeld für uns und unsere Kunden ist. Ich glaube, dass ihr das auch wollt, denn auch ich bin (wie viele meiner Kollegen hier bei Carbine) ein Gamer.

Ich arbeite schon sehr lange in dieser Branche, und es ist gängige Praxis, dass in der Betaphase eines Spiels verschiedenen Leuten (beispielsweise Journalisten, Entwicklern oder Investoren) gewisse Vorteile gewährt werden. In dieser Hinsicht ist jede Beta eine Art gesetzloser Wilder Westen. Dies haben wir weitgehend vermieden. Die Entwickler haben keinen Cheat-Zugriff auf die Beta-Realms (mit Ausnahme einiger weniger Leute, die Problemen auf den Grund gehen müssen (also unsere Server-Jungs, mein Team usw.). Allerdings haben wir einen „geheimen“ Cheat-Server, auf den unsere Partner Zugriff haben, die aus verschiedenen Gründen einen Blick auf die unterschiedlichen Zonen des Spiels werfen müssen. Dasselbe gilt für Entwickler, die etwas in einer „Live-Umgebung“ testen müssen, oder für Demos mit künstlich hochgezüchteten Charakteren, die wir auf Conventions präsentieren. Das ist alles kein Problem. Die Probleme fangen erst an, wenn Cheats in einer Umgebung eingesetzt werden, in der Spieler Zeit und Mühe in die Entwicklung ihrer Charaktere investieren (beispielsweise auf den Beta- bzw. Live-Realms).

Ich denke, allen Beteiligten (also Spielern und Entwicklern) ist klar, dass für eine Beta eigene Regeln gelten: Charaktere werden gelöscht, auf Beta-Servern geschehen Dinge, die auf Live-Servern nie passieren würden, und es gibt Dinge (wie die Beschwörung von tausend Rowsdowers), die nach dem Start des Spiels absolut inakzeptabel wären. Aber wenn wir das während der Beta unter dem Radar machen, wie können sich die Spieler dann sicher sein, dass wie es nicht auch während des Spiels machen?

Die Antwort ist einfach: durch Transparenz. Wenn das Community-Team auf den Live-Servern ein PvP-Event veranstalten möchte, unterstützen wir dieses Vorhaben. Das Operations-Team erstellt alle Charaktere auf den Live-Servern. Danach rüsten wir sie mit angemessenem (aber nicht übertriebenem) Equipment und Ahnengemmen aus und stellen die Charaktere den Mitarbeitern für die Dauer des Events zur Verfügung. Und jetzt kommt das Wichtigste: Wir posten in den Foren EXPLIZIT die Namen der jeweiligen Charaktere, die Ausrüstung, die wir ihnen verpassen, und die Gründe, warum wir das tun. Am Ende des Events pfeifen wir die Charaktere wieder zurück, um sie zu löschen oder für ähnliche Events in der Zukunft aufzubewahren. Ein weiterer Vorteil dabei ist, dass ihr die Möglichkeit habt, laut zu schreien, falls wir die Charaktere TATSÄCHLICH mit einer göttlichen Ausrüstung ausstaffiert haben, damit wir das Problem vor dem Beginn des Events beheben können. Wir sind schließlich nicht perfekt und behaupten auch nicht, es zu sein.

Letztlich geht es doch nur darum, dass das Community-Team sein Event aufziehen kann (was die Spieler im Allgemeinen gut finden) und wir dabei nicht unsere Integrität aufs Spiel setzen, weil wir nichts verbergen. Wir sagen den Spielern, dass wir etwas machen, tun anschließend exakt das, was wir angekündigt haben, und entfernen die künstlich hochgezüchteten Charaktere dann aus den öffentlichen Bereichen. Von diesem Austausch zwischen Entwicklern und Spielern profitiert am Ende des Tages das ganze Spiel.

Ein gutes Beispiel hierfür (das wir aus zeitlichen Gründen nicht ordnungsgemäß kommuniziert haben) waren die Charaktere des Schlachtfelder/Arenen-Livestreams vor einigen Wochen. Diese wurden Scooter und Bardic als hochgelevelte Charaktere mit entsprechender Ausrüstung zur Verfügung gestellt und von uns nach dem Stream wieder einkassiert. Sollten wir das eines Tages erneut tun, werden wir euch rechtzeitig mitteilen, was genau wir warum benutzen. Wie ihr seht, optimieren wir während der Beta neben dem Spiel selbst auch unsere Abläufe und Vorgehensweisen.

Nachdem das alles gesagt ist, möchte ich jetzt über die erste „offizielle“ Instanz dieses Programms sprechen. Wir werden einige (anonyme) künstlich hochgezüchtete Charaktere an Fachjournalisten ausgeben, damit diese Inhalte des Spiels bewerten können, die sie innerhalb der zeitlich befristeten Betaphasen niemals zu Gesicht bekämen. Diese Charaktere sind zwar in den Beta-Realms unterwegs, haben selbst aber keine Cheats. Nachdem wir sie hochgelevelt und mit einer entsprechenden Ausrüstung versorgt haben, verschieben wir sie in einen Account, auf den die Medien während der Review-Phase Zugriff haben. Nach dem Abschluss der Reviews (spätestens zum Beginn des Vorabzugangs) werden wir diese Accounts wieder einkassieren.

Aufmerksame Leser werden jetzt anmerken, dass ich bezüglich des oben beschriebenen PvP-Beispiels geschrieben habe, dass wir die Namen der Charaktere posten. Dies tun wir im Falle dieser ersten offiziellen Instanz des Programms nicht. Da das Ziel dieser Charaktere die Bewertung des Spiel ist, waren wir der Ansicht, dass die Veröffentlichung der Namen zu unerwünschten Belästigungen führen könnte.

Natürlich kann es durchaus sein, dass ich mit diesem Artikel völlig daneben liege und sich niemand für das Gesagte interessiert. Dass ich euch vom Kampf gegen Branchenstandards und meiner rechtschaffen neutralen Gesinnung erzähle und damit alle langweile. Aber das will ich jetzt einfach nicht glauben. Ich glaube, dass unsere Spieler ein faires Spielfeld wollen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Entwickler sich mit Cheat-Befehlen einen unfairen Vorteil verschaffen. Ich glaube, dass unsere Spieler eine faire, aber fordernde Umgebung wollen, sei es bei Raids, Rekorden, Unterkünften oder vielen anderen Aspekten des Spiels. Ich glaube, unsere Spieler verdienen unser Vertrauen, dass wir offen und ehrlich mit ihnen umgehen können. Ich glaube, dass Transparenz das A und O ist, und uns allen den Weg zu Erfolg und guter Unterhaltung ebnet und einen jahrzehntelangen Erfolg von WildStar gewährleistet.

Ich glaube an unsere Spieler.


1 Kommentar
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DISKUSSION
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  • ooky
    ooky
    01. Mai, 2014
    Ist doch eh vollkommen normal das man sich Sachen ercheatet um ein Game/Programm/was auch immer zu testen.